Das Projekt

Mit unserem Umwelt-Theater-Projekt „Parlament der Fische“ möchten wir Menschen mit allen Mitteln des Theaters emotional wie rational erreichen und sie aktivieren, sich in ihrem nahen Umfeld für den Schutz von Gewässern, für die Vermeidung von Müll im Wasser und für ein aktives Handeln gegen Wasserverschmutzung zu engagieren.

Die Zielgruppe

Das Projekt richtet sich in erster Linie an Grundschulkinder zwischen 8 und 12 Jahren. Wir betrachten diese Zielgruppe als „Botschafter“ für einen zukunftsfähigen Umgang mit unseren natürlichen Ressourcen und wollen sie mit unserem Projekt ermutigen und in die Lage versetzen, sich dafür aktiv einzusetzen. Schließlich müssen die Grundschulkinder von heute einerseits lernen, mit den Folgen nicht nachhaltiger Entwicklung vorangegangener Generationen umzugehen und andererseits als Entscheidungsträger von morgen unsere Welt selbst nachhaltig mitzugestalten.

Zweite Zielgruppe sind die Lehrkräfte der SchülerInnen, die in ihrer Funktion als MultiplikatorInnen die nachhaltige Wirkung des Projektes an den verschiedenen Orten sichern. Sie sind neben den SchülerInnen zugleich Teilnehmende wie MitgestalterInnen des Umwelt-Theater-Workshops. Mit ihrer Teilnahme am Projekt werden sie in die Lage versetzt, die Möglichkeiten der Verbindung von Umweltbildung und Theaterspiel im Kontext regionaler Gegebenheiten weiter zu entwickeln. Dabei können sie auf die im Zuge des Projektes aufgebauten und aktivierten lokalen Netzwerke zurückgreifen.

Auch die vor Ort ansässigen und assoziierten Künstler und UmweltpädagogInnen sind Zielgruppe des Projektes. Diese sind beispielsweise bei den assoziierten Partnern vor Ort verankert. Sie werden zu den Workshops und Aktionen eingeladen, um sich aktiv in die Ausgestaltung der Workshops und bei der Begleitung der Theateraufführung einzubringen. Die Schauspieler, Tänzer und Musiker setzen sich neben den künstlerischen Umsetzungsprozessen intensiv mit der gesellschaftlich relevanten Thematik der Müllvermeidung in Gewässern auseinander und sind somit ebenfalls Zielgruppe des Projektes. Umgekehrt lernen die UmweltpädagogInnen im Projekt von den Künstler neue Wege der kreativen Auseinandersetzung mit einem Umweltthema. Über die abschließende Handreichung und Filmdokumentation werden zudem weitere MultiplikatorInnen erreicht.

Der Wirkungsraum

Als Wirkungsraum für das Projekt haben wir neben Orten in Deutschland solche in Montenegro, Bosnien und Herzegowina und Serbien gewählt, weil wir in den Ländern des Westbalkans einen weit verbreiteten Mangel an Möglichkeiten der Müllvermeidung erlebt haben. Wir wollen mit unserem Projekt die Zivilgesellschaft in diesen Ländern auf die öffentlich sichtbaren Symptome eines gedankenlosen Umgangs mit Müll in ihren Gewässern aufmerksam machen und politische Entscheidungsträger mindestens auf kommunaler Ebene zum Handeln auffordern.

Montenegro, Bosnien und Herzegowina sowie Serbien sind (potentielle) Anwärterländer bzw. Kandidaten für die Aufnahme in die Europäische Gemeinschaft im westlichen Balkan. Die Umwelt-Standards in diesen drei Ländern entsprechen noch nicht denen der EU. Daher haben wir in den Ländern wassernahe Orte an der Donau (Smederevo), am Fluss Vrbas (Banja Luka) und an der Küste von Monte Negro (Kotor) ausgesucht.

Hintergrund und Impuls

Kind mit PlastikflascheAusgangspunkt des Projektes ist die in Studien eingehend beschriebene Tatsache, dass der Alltag von Kindern und Jugendlichen zunehmend von Technik und Medien bestimmt wird. Die Natur bleibt ihnen weitgehend fremd. Die Notwendigkeit eines achtsamen Umgangs mit der Grundlage allen Lebens auf dem Planeten Erde ist vielen Kindern und Jugendlichen in Südosteuropa kein selbstverständlicher Gedanke. Für ein gemeinsames, umweltschützendes Verhalten fehlt vielfach das gesellschaftliche Bewusstsein. Eine gesetzliche Regelung und die dazugehörige Infrastruktur für eine funktionierende Mülltrennung sind ebenfalls nicht vorhanden.

Zudem beobachtet die Initiatorin Regula Steiner-Tomic seit einigen Jahren, dass auch eine der schönsten Küsten Europas, die Bucht von Kotor, durch zunehmende Vermüllung in Gefahr gerät. Aus der persönlichen Betroffenheit heraus realisierte sie gemeinsam mit Einwohnern von Perast (Montenegro) Aktivitäten, um diese Müllverschmutzung einzudämmen. Mit einigen Anwohnern und Feriengästen wurde sie bei den Behörden vorstellig, um über dieses Problem zu sprechen, allerdings ohne Erfolg. Aus diesem Erleben von Regula Steiner-Tomic und den beteiligten Bürgern von Perast entstand die Projektidee. In ersten Recherchen wurde schnell klar, dass dieser Missstand ebenso an weiteren Orten des Westbalkans zu finden ist. Wie in Perast konnte die Initiatorin auch hier Bürger, Theater-Leute und Umweltaktive für die Idee eines Umwelttheaterprojektes und als assoziierte Partner gewinnen.

Umwelt-Theater-Workshops

IMG_7997Um bei den beteiligten Grundschulkinder einen persönlichen und nachhaltig wirksamen Bezug zum Thema aufzubauen, werden sie aktiv in das Projekt eingebunden. Zu diesem Zweck nehmen sie als Auftakt im jeweiligen Projektort an einem 3-tägigen Umwelt-Theater-Workshop teil. Experten vermitteln ihnen grundlegendes Wissen über die Notwendigkeit des Gewässerschutzes sowohl global als auch bezogen auf ihren konkreten Lebensraum. Gleichzeitig lernen die Kinder sich szenisch, bildnerisch und musikalisch mit Körper und Stimme auszudrücken und werden auf ihre Mitwirkung an Prozession und Theaterstück vorbereitet.

Begleitende Ausstellungen

Damit das Gelernte auch außerhalb des Klassenzimmern sichtbar ist, wird an jedem Projektort die EUCC-D Ausstellung „Mensch ∙ Müll ∙ Meer“ installiert. Diese wird durch Exponate der SchülerInnen ergänzt, die sie während des Workshops gestalten. So wollen wir weit über die Grenzen der Schule und des Theaters in den Stadtraum hineinwirken und die Öffentlichkeit über die anhaltende Gewässerverschmutzung und die Notwendigkeit eines nachhaltigen Gewässerschutzes informieren.

 

Öffentliche Prozession vor den Aufführungen

Wir wollen das Thema in der Zivilgesellschaft des jeweiligen Projektortes verankern. Dazu laden wir im direkten Vorfeld der Aufführung alle Bürger des Ortes zu einer öffentlichen Prozession ein, bei dem eine Fisch-Skulptur als Symbol des Projekts und zentraler Teil des Bühnenbilds ins Theater getragen wird. Aktiv gestaltet wird dieses Spektakel von Musikern der Region, den Teilnehmer an den Workshops, deren Familien sowie allen interessierten Bürgern. Ein darstellerisches Element wird neben der Musik der Tanz sein. Mit diesen Formen wird die Botschaft des Stückes universell und nonverbal vermittelt.

Das Theaterstück als Kernelement des Projekts

MüllstrudelWir benutzen Elemente des Körpertheaters, des Maskenspiels/Mime und des modernen Tanztheaters sowie Instrumentalmusik und Gesang. So wird das Stück über sprachliche Unterschiede hinweg verständlich. Wir setzen verschiedene mediale Mittel wie z.B. Projektionen ein, die mit Elementen der szenischen Handlung und auch mit dem Bühnenbild verknüpft werden. Dieses beinhaltet auch eine große Plastikmüll-Fisch-Installation. Bei der Outdoor-Performance werden 20-40 Kinder und Erwachsene und 10-20 Musiker aus der jeweiligen Region einen Umzug vom örtlichen Gewässer zum Theater begleiten. Auf der Bühne agieren 3-4 professionelle Schauspieler, als zentrale Figur ein Kind (Marina) sowie Laienschauspieler und Musiker. Musik wird im Stück einen großen Raum einnehmen. Die Bühnenkomposition wird von einem profilierten montenegrinischen Komponisten erstellt. Diese Komposition wird dann von den jeweiligen örtlichen Musikern gespielt. Bei der Prozession vom Wasser zum Theater spielen Musiker aus den Aufführungsorten landestypische Musik. Dadurch werden die identitätsstiftende Komponente und die Authentizität des Projekts hervorgehoben.

Projektdokumentation und Film als Handreichung für MultiplikatorInnen

Um das Thema langfristig bei der Zielgruppe in den Regionen zu verankern, wollen wir Lehrkräften und weiteren MultiplikatorInnen geeignete Werkzeuge zur Verfügung stellen. Dazu entstehen nach Abschluss des Projektes eine Handreichung (inkl. Übersetzung ins Serbische) und eine Filmdokumentation. Diese dokumentieren modellhaft und nachnutzbar die Ziele und Maßnahmen des Projektes.

Fazit: Nachhaltige Veränderung der Zivilgesellschaft als Ziel

FischWir ermutigen die Menschen, Theaterinstitutionen, Umweltverbände und Schulen, sich langfristig bürgerschaftlich für eine Vermeidung von Müll in Gewässern zu engagieren. Zudem werden in den Projektorten Netzwerke von Engagierten entstehen, die die Möglichkeiten der Verbindung von Umwelthandeln und Theaterspiel weiterentwickeln werden. Das Projekt wirkt somit konkret regional, ist aber gleichzeitig durch seine transnationale Struktur ein bürgerschaftlicher Bestandteil der europäischen Bemühungen zur Müllvermeidung.